Ausschuss für Stadtentwicklung stellt Weichen für Zerstörung von 17 Hektar Naturflächen
Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Strukturwandel und Bauen hat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich und gegen die Stimmen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN entschieden, dass ein Bebauungsplan für das Gebiet "Grube Carl" aufgestellt werden soll. Damit hat er die Weichen gestellt für die Zerstörung von 17 Hektar wertvoller Natur- und Naherholungsflächen an unserem Stadtrand. Wir lehnen dieses Vorhaben nachdrücklich ab. Unser stellvertretender Fraktionsvorsitzender, Stefan Sporn, hat in der Ausschusssitzung unsere Ablehnung begründet:
Prof. Dr. Stefan Sporn / Erklärung Planungsausschuß am 10.03.2026 zu u.a. TO-Punkt A.91; es gilt das gesprochene Wort:
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN lehnt die Planungen ab. Es fehlt an einer notwendigen schlüssigen und nachvollziehbaren Begründung und entsprechender Notwendigkeit.
Die Zerstörung und Versieglung von rund 17 Hektar bester Acker-, Wiesen- und Heckenflächen, Lebensraum von Tier- und Pflanzenwelt, Naherholungsgebiet und Frischluftschleuse für Frechen bedarf in diesen Zeiten einer ganz besonderen Rechtfertigung. Diese liegt nicht vor. Es wird ins Feld geführt, dass in Frechen besondere Wohnungsnot herrsche. Dies wird aber immer nur behauptet, aber nicht substantiiert. Um mit einem Goethe zugeordneten Zitat zu sprechen: „Getretener Quark wird breit auch nicht stark!“ Weder die gern zitierte Pestel-Studie – ohnehin alt und überarbeitungswürdig – noch erst recht nicht die Entwicklung der Bevölkerung unterfüttern die Begründung für das Baugebiet Grube Carl. Die Bevölkerung von Frechen ist seit Jahren nicht gewachsen.
Wenn man aber doch hilfsweise annähme, es gäbe Druck auf dem Wohnungsmarkt, dann müssen wir uns als Politik, dann muss sich die Verwaltung fragen, bevor sie massiv und irreversibel in Flächen wie Grube Carl eingreift, ob es mildere Mittel gibt. Das ist Ausfluss des verfassungsrechtlichen Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes. Was wäre das? Das vorrangige Ausnutzen von Bebauungspotentialen an anderer Stelle, wo verdichtet werden kann, wo Böden schon versiegelt sind. Und hier gilt es ehrlich zu sein: Es wird an vielen Stellen in Frechen gebaut, kreuz und quer, überall entsteht neuer Wohnraum. Es gibt eine Vielzahl von Flächen, und sei es nur Bonnstraße/Rhenania, die geradezu danach schreien, bebaut zu werden. Und auch Wachtberg wäre ein potentielles Gebiet. Und hier wird von interessierter Seite Wohnungsbau ausgeschlossen; klar, sonst ist Grube Carl ja auch wirklich gar nicht mehr begründbar. Und, um eins klar zu sagen: Der Wohnbau auf den genannten Flächen hat selbstverständlich die Zustimmung der Grünen! Aber: Es ist nie vorgetragen und wahrscheinlich auch nie ermittelt worden, ob diese Flächen für den behaupteten Bedarf nicht ausreichen. Fazit: Hier ist in doppelter Hinsicht der Verantwortung für Frechen und seiner Bürgerinnen und Bürgern nicht gerecht geworden.
Wenn also auf Grube Carl gebaut wird, dann nicht für Frechener, sondern primär für Wohnungssuchende im Umland oder aus der großen Nachbarstadt. Das kann man ja machen, aber dann soll man das ehrlich sagen!
Und wenn auf Grube Carl gebaut wird, dann auch sicher nicht nur wegen einer Wohnungsnot. Es geht ums Geld. Grube Carl ist ein Weg, der sehr leeren Stadtkasse zu helfen. Wir sind pleite. Auch hier gilt: Wenn das politisch gewollt ist, dann sollen doch die Verfechter der Bebauung von Grube Carl wenigstens ehrlich sein und das sagen und sich nicht hinter einer vorgeschobenen Sozialpolitik verstecken. Ehrlichkeit gegenüber den Bürgerinnen und Bergern -- das ist, worum es hier auch geht.
Wir stehen für Wohnungsbau – aber ehrlichen und an der richtigen Stelle und ohne unbegründete Zerstörung von Lebensgrundlagen und Naherholung.
Und noch ein letztes – obwohl es noch viel zu sagen gäbe, was ich mir ggf. für die nächste Ratssitzung vorbehalte --: Mit der massiven Bebauung von Grube Carl schaffen wir – wenn man den Verfechtern der Planungen folgt – Wohnraum. Das klingt für manche erst einmal toll. Aber, das hat ja Konsequenzen. Kindergärten, Schulen, Verkehr, Verkehrswege, Abwasser, Klima etc. Das gilt es zu managen. Und dafür muss es Kapazitäten und Kompetenz geben. Aber was erleben wir in unserer Stadt? Das sie sich schon offensichtlich mit den bestehenden Projekten überfordert: Wann wird denn unser Freibad zu welchen Kosten eröffnet? Dass das in diesem Jahr noch passiert, glauben auch nur noch Berufsoptimisten. Was ist mit Parkhaus? Wieviel teurer ist das warum geworden? Wie ist die Schulsituation, insbesondere in der Burgschule? Wir wollen ein „Rotationsgebäude“ für € 60 Mio für die Schulen bauen. Was denn noch alles? Ich könnte eine sehr lange Liste erstellen… Wichtig wäre doch, dass wir das, was wir längst angefangen, mal sauber zu enden bringen. Und dann noch alles rund um „Grube Carl“? das ist dann kein Problem?
Wir fordern Ehrlichkeit, Mut, Vision und Realismus bei der Stadtplanung. Was vor 20 Jahren vielleicht als sinnvoll erschien, muss es heute nicht mehr sein. So auch hier. Zum Wohle der Stadt und seiner Bürgerinnen und Bürger gilt: Kein Start der Bauplanung für Grube Carl!