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Nachhaltigkeit auf dem Papier, Bagger in der Realität

Rede zur Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt

Der Rat beschließt eine Nachhaltigkeitsstrategie, die Freiflächen schützen und Versiegelung begrenzen soll – und entscheidet gleichzeitig über die Bebauung von fast 17 Hektar an der Grube Carl. Solange diese Pläne auf dem Tisch liegen, lehnen wir die Strategie ab: Sie ist Greenwashing auf Kosten der Steuerzahler.

Von Uta Spork  ·  15.07.2026

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

liebe Kolleginnen und Kollegen des Rates,

wir haben heute mit der ausgearbeiteten Nachhaltigkeitsstrategie ein Dokument vorliegen, das auf dem Papier wunderbar klingt.

Eine Nachhaltigkeitsstrategie für Frechen.

Gemeinsam erarbeitet mit viel Aufwand und persönlichem Engagement von verschiedenen Menschen aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.

Wie oft haben wir schon kritisiert, dass es keine Strategie für diese Stadt gibt und gab. Wir fanden es eigentlich eine richtig gute Idee, eine Nachhaltigkeitsstrategie für Frechen zu entwickeln.

Und die guten Absichten aller Beteiligten waren in allen Sitzungen im Rahmen der Ausarbeitung der Strategie immer spürbar und es sind sehr viele – ich möchte fast sagen – ausschließlich sehr gute Leitlinien, strategische und operative Ziele formuliert worden.

Ich habe es mir noch einmal durchgelesen: in diesem Frechen von morgen, das hier gezeichnet wurde, möchte ich sehr gerne leben.

Es gibt beispielsweise nichts auszusetzen an der Aussage des Bürgermeisters im Vorwort: nachhaltige Stadtentwicklung bedeute für ihn, wirtschaftliche Stärke, sozialen Zusammenhalt und den verantwortungsvollen Umgang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen miteinander zu verbinden.

Leitlinie 2 der Nachhaltigkeitsstrategie liest sich ebenfalls sehr gut:

„Naturräume werden gestärkt, Freiräume und in Anspruch genommene Flächen effizient genutzt. Mit innovativen Ideen für Strukturwandelflächen entsteht ein zukunftsfähiger Standort, der Natur, Lebensqualität und wirtschaftliche Entwicklung in Einklang bringt.“

Ein tolles strategisches Ziel 2.1:

„Bis 2035 ist die biologische Vielfalt in Frechen geschützt und voraussichtlich die gesamte Stadtfläche ökologisch aufgewertet. Von großen Räumen in der freien Landschaft, Gewerbegebieten über Quartiere bis hin zu kleinteiligen Flächen, wie Dächern, Fassaden oder Parkplätzen; alle werden für mehr Lebensräume, Artenvielfalt und ein zukunftsfähiges Stadtklima klimaresilient gestaltet.“

Gleiches gilt für das strategische Ziel 2.2 – ebenfalls super:

„Neue Flächenversiegelung wird auf das Nötigste begrenzt, Mehrfachnutzungen werden geprüft und gefördert. Erholung, Wohnen und Arbeiten werden intelligent miteinander verbunden.“

Problem ist nur: Während wir hier über Klimaschutz, CO₂-Minderung und die Schonung von Ressourcen philosophieren, entscheidet derselbe Rat gleichzeitig über die massive Bebauung der Grube Carl.

Genauso wie über die Versiegelung des Hinterlandes des Marienhofer Wegs oder der Adam-Schall-Straße. Bald noch die Zirkuswiese.

Und insbesondere bei der Grube Carl reden wir hier nicht über eine kleine Nachverdichtung. Wir reden über die Versiegelung von fast 17 Hektar wertvoller Freifläche, von Ackerboden und Naherholungsraum.

Wie passt das zusammen? Die Antwort ist schmerzhaft einfach: Es passt überhaupt nicht zusammen.

Wenn wir auf der einen Seite Hochglanzbroschüren unter Einsatz beträchtlicher Fördermittel verabschieden, aber auf der anderen Seite die Bagger für das größte Betonprojekt der nächsten Jahrzehnte warmlaufen lassen, dann ist das alles – nur eben absolut gar nicht nachhaltig.

Und insbesondere nicht in einer Stadt, die schon heute zu den meistversiegelten Städten in NRW zählt und die im Übrigen schon heute nicht in der Lage ist, ihren bereits hier lebenden Bürgern eine funktionierende Infrastruktur zur Verfügung zu stellen – in Form von beispielsweise ausreichendem und modernem Schulraum oder einem geöffneten Sozialamt.

Eine Nachhaltigkeitsstrategie, die erst dann zum Tragen kommt, wenn erst einmal noch Tatsachen geschaffen werden und die wenigen letzten Grünflächen vorher noch schnell für immer versiegelt werden, ist reine Symbolpolitik. Das ist einzig und allein Greenwashing auf Kosten der Steuerzahler!

In der heutigen Zeit, mit Hitzewellen, wie wir sie gerade erleben, an denen Menschen in überhitzten Städten leiden und sterben, muss Nachhaltigkeit jeden Tag oberste Richtlinie für jedwedes Handeln sein.

Nachhaltigkeit will gelebt sein und muss hier und jetzt beginnen.

Und Frechen hat in Bezug auf Nachhaltigkeit eher Nachholbedarf als einen Vorschuss.

In einem nachhaltigen Frechen verbietet es sich, weitere Grünflächen zu versiegeln.

Und insofern von uns: Nein zu der Nachhaltigkeitsstrategie.

Solange die Pläne für die Zerstörung der Grube Carl auf dem Tisch liegen, ist diese Strategie das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt ist.

Das Label der Nachhaltigkeit steht dieser Stadt erst dann zu, wenn Worte und Taten tatsächlich zueinander passen.