Pressemitteilung

Rede zur Demo gegen die Bebauung der „Grube Carl“

Die Grünen in Frechen lehnen die geplante Bebauung von 17 Hektar Naturfläche auf Grube Carl ab, da sie die offiziell vorgebrachte Wohnungsnot für vorgeschoben halten und stattdessen bereits versiegelte Flächen wie den Wachtberg als Baustandort fordern. Prof. Dr. Sporn kritisiert zudem mangelnde Transparenz der Stadt gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern sowie die finanziellen Motive hinter dem Vorhaben.

Prof. Dr. Stefan Sporn

Vize-Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt Frechen

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

 

Liebe Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt,

Liebe Bewohnerinnen und Bewohner von Grube Carl,

ich würde jetzt lieber woanders stehen, nämlich in der Natur auf Grube Carl. Stattdessen stehe ich hier mit Euch und kämpfe für etwas mit Euch, das heutzutage selbstverständlich sein sollte: Den Erhalt unserer Natur und Umwelt. Aber ich kämpfe auch gleichzeitig für unsere Stadt und ihre Zukunft.

Wir, die DIE GRÜNEN, lehnen die weitere Bebauung von Grube Carl und die Zerstörung von 17 Hektar bester Acker-, Wiesen- und Heckenflächen, Lebensraum von Tier- und Pflanzenwelt, Naherholungsgebiet und Frischluftschleuse für Frechen ab!

Warum? Wer so etwas plant, muss das besonders begründen. Es herrsche besondere Wohnungsnot in Frechen, die nur so behoben werden könne – das ist die offizielle Begründung der Stadt und ihres Bürgermeisters und der Fraktionen SPD, CDU und Perspektive für Frechen. Und das ist falsch und wird durch ständige Wiederholung auch nicht wahrer!

Frechen hat seit über 10 Jahren überhaupt kein Bevölkerungswachstum! Wenn wir jetzt bauen, dann bauen wir nicht für Frechener, sondern maßgeblich für Kölner, die in Köln nichts finden. Das kann man machen, wir wollen das nicht, aber dann muss der Bürgermeister Euch das ehrlich sagen. Und das hat man /hat er offenbar vergessen.

Was ist die Folge? Unsere Naturflächen sind zerstört, unser Stadtklima verschlechtert sich weiter, wir brauchen neue Kindergärten und Schulen, wir haben viel mehr Verkehr, Abwasser usw. Das kriegt diese Stadt doch schon jetzt nicht mehr hin. Und wer bezahlt die Zeche? Wir! Sie! In einer Stadt, die jetzt schon pleite ist und zu ihrer eigenen Sanierung als aller erstes die Steuern für Wohnen erhöht und damit die sozial Empfindlichsten trifft.

 

Wenn man etwas für den Wohnungsmarkt tun will, und das wollen wir GRÜNE selbstverständlich auch, dann wäre doch ein sinnvolles Vorgehen wie folgt:

Ich prüfe zuerst, bevor ich unwiederbringlich Natur zerstöre, ob nicht die laufenden Bauprojekte in der Stadt völlig ausreichen. In Frechen wird an verschiedenen Stellen teilweise in großem Maßstab gebaut. Es passiert schon wahnsinnig viel. Aber es gibt keinen Plan –mal wieder in dieser Stadt – der dazu etwas sagt. Bebauung im Blindflug also.

Und, falls ich zu dem Ergebnisse komme, ich brauche noch mehr Wohnraum: Wo kann ich noch bauen, ohne etwas zu zerstören, weil Böden bereits versiegelt sind? In Frechen gibt es eine Vielzahl von bebaubaren Flächen. Und welches ist die größte? Wachtberg! Warum kann die Brikettfabrik Wachtberg keine zweite Brikettfabrik Grube Carl werden? Das ist das, was wir fordern! Nein, stattdessen soll dort ausschließlich Industrie und Gewerbe angesiedelt werden. Teile der CDU wünschen sich den Rüstungskonzern Rheinmetall. Weder will der, noch ist das emissionsrechtlich möglich. Aber Hauptsache mal einen rausgehauen. Und was ist wohl dafür der Grund, dort gegen Wohnungen zu sein? Ist doch klar: Wenn ich dort Wohnungen baue, fällt die Begründung für die Zerstörung der Naturflächen von Grube Carl völlig weg. Aber den Mut, das zuzugeben, hat aktuell bei Stadt und bei den meisten Fraktionen im Rat niemand.

Und wenn auf Grube Carl gebaut wird, dann auch sicher nicht nur wegen einer Wohnungsnot. Es geht ums Geld. Grube Carl ist ein Weg, der sehr leeren Stadtkasse vordergründig durch den Verkauf von Flächen zu helfen. Auch hier gilt: Wenn das politisch gewollt ist, dann sollen doch die Verfechter der Bebauung von Grube Carl wenigstens ehrlich sein und das sagen und sich nicht hinter einer vorgeschobenen Sozialpolitik verstecken. Ehrlichkeit gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern -- das ist, worum es hier auch geht.

Und was ist jetzt auch noch konkret geplant? Wir können uns das gleich im Rathaus ansehen und anhören. Was wir wissen: Es wird in großen Teilen eine Trabantenstadt mit Wohnklötzen von 5 Stockwerken. Dort wo vorher Rehe gegrast haben. Tausende Menschen werden mit tausenden zusätzlichen Autos über genau zwei schmale Straßen – die Rosmarstraße und den Zum Bellerhammer – in dieses Viertel fahren. Für uns wird hier ein Verkehrskollaps billigend in Kauf genommen, übrigens dann auch in Teilen der InnenstadftDu bitte. Wasser, Abwasser, Klima mit Hitze und Frischluft usw. – so viele höchst kritische Punkte. Aktuell heißt es zu allem: Kein Problem! DOCH: Das sind ernste und ungelöste Probleme, für uns alle! Probleme, die wir uns gar nicht erst schaffen sollten!

Wir GRÜNE stehen für Wohnungsbau – aber ehrlichen und an der richtigen Stelle und ohne unbegründete Zerstörung von Lebensgrundlagen und Naherholung.

Wir fordern Ehrlichkeit, Mut, Vision und Realismus bei der Stadtplanung. Was vor 20 Jahren vielleicht als sinnvoll erschien, muss es heute nicht mehr sein. So auch hier. Zum Wohle der Stadt und seiner Bürgerinnen und Bürger gilt: Keine weitere Bebauung der Grube Carl!